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Die Geschichte des Lagerkomplexes Mauthausen erklärt sich nicht allein aus den baulichen Relikten des Lagers heraus. Es bedarf einer kontextualisierenden Erläuterung und Einordnung in Form eines modernen zeithistorischen Museums.
Im Rahmen der Neukonzeption der gesamten Gedenkstätte kommt der neuen Überblicksausstellung eine zentrale Funktion zu. Gleichwohl ist diese von Anfang an unter Berücksichtigung der weiteren Informations- und Ausstellungsmodule zu konzipieren. Die Hauptaufgabe der Ausstellung zur Lagergeschichte besteht darin, einen Überblick über die Gesamtgeschichte des KZ-Systems Mauthausen zu geben. Das Konzentrationslager Mauthausen wird dabei als ein Herrschafts- und Verfolgungsinstrument des NS-Regimes begriffen. Es gilt insbesondere, den mehrfachen Funktionswandel von einer Stätte der Internierung und Zwangsarbeit zu einem Tötungslager sowie zu einem komplexen System von Außenlagern, in dem die KZ-Häftlinge zunehmend für die Zwecke der Rüstungsindustrie eingesetzt wurden, darzustellen.
Eine weitere wesentliche Funktion der Überblicksausstellung ist jene der Kontextualisierung. Zum einen soll der Inhalt der jeweiligen themenzentrierten Ausstellungen durch die Überblicksausstellung im größeren Zusammenhang der Geschichte des KZ-Systems Mauthausen dargestellt werden, zum anderen soll im Rahmen der Überblicksausstellung das KZ-System Mauthausen/Gusen im Gesamtkontext des nationalsozialistischen Lagersystems verortet werden.
Inhalt Die Überblicksausstellung soll eine kompakte Darstellung der Gesamtgeschichte „Mauthausens“ 1938–1945 liefern. „Mauthausen“ wird dabei als Lagersystem verstanden, bestehend aus dem Doppellager Mauthausen/Gusen und dem Netz an Außenlagern, das selbst wiederum als Teil des Gesamtsystems nationalsozialistischer Konzentrationslager zu sehen ist. Inhaltlich muss die Überblicksausstellung sämtliche Aspekte der Lagergeschichte 1938–1945 sowie deren Bezüge zur Gesamtgeschichte der NS-Konzentrationslager ansprechen, auch wenn einzelne Aspekte in zusätzlichen vertiefenden Ausstellungen dargestellt werden. Die Abgrenzung zu den vertiefenden themenzentrierten Ausstellungen erfolgt im Wesentlichen über Erzählperspektive, Art des Narrativs und Detaillierungsgrad der thematischen Aufbereitung.
Die Leitfrage nach der Spezifik und der Typik des Lagersystems Mauthausen durchzieht die gesamte Ausstellung. In einer weitestgehend chronologischen, strukturgeschichtlichen Erzählung werden die Stationen der Lagergeschichte exemplarisch und thesenartig präsentiert. Die Geschichte des KZ Mauthausen/Gusen wird in den Kontext der sich wandelnden historisch-politischen sowie ideologischen Rahmenbedingungen eingebettet und erklärt. Vor diesem Hintergrund kommt der Darstellung der Häftlinge, der Täter sowie des regionalen und wirtschaftlichen Umfeldes wesentliche Bedeutung zu. Standortwahl und Gründung des KZ-Mauthausen werden im Zusammenhang der Erweiterung des gesamten KZ-Systems vor Kriegsbeginn wie des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich dargestellt. Häftlingszwangsarbeit in den SS-eigenen Steinbrüchen, ideologisch motivierte Vernichtungsaktionen, rüstungswirtschaftliche Strukturveränderung und Expansion des Mauthausener Lagerkomplexes werden jedoch nicht nur in ihrem strukturgeschichtlichen Zusammenhang erzählt. Die konkreten Auswirkungen auf das Leben der Gefangenen im KZ Mauthausen liefern eine kontrastierende bzw. kommentierende „Gegenerzählung“. Einen weiteren Schwerpunkt wird die Endphase ab Winter 1944/45 bis zur Befreiung einnehmen, in der Mauthausen durch Evakuierungstransporte aus anderen Konzentrationslagern zum letzten Stammlager innerhalb des „Deutschen Reiches“ wurde und das Massensterben durch Überfüllung des Lagers und Todesmärsche unvorstellbare Ausmaße annahm.
Ort und bauliche Maßnahmen Im Gegensatz zu den vertiefenden themenzentrierten Ausstellungen wird die historische Überblicksausstellung an einem historisch vergleichsweise neutralen Ort untergebracht. Entsprechend der vierzigjährigen Nutzungstradition des ehemaligen Krankenreviers als Museum soll die neue Überblicksausstellung ebenfalls dort im Erdgeschoß untergebracht werden. Hierfür bedarf es eines völlig neuen Raumkonzeptes, nicht zuletzt, um dort auch Verweilzonen und Plätze zur Vertiefung für Gruppen und EinzelbesucherInnen zu schaffen.
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