Zur Geschichte des Außenlagers Eisenerz
|
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde im Jahr 1939 die Österreichisch-Alpine Montan Gesellschaft (ÖAMG), deren Mehrheitseigentümer bis dahin die Vereinigten Stahlwerke waren, von den Reichswerken Hermann Göring übernommen. Die ÖAMG war unter anderem die Betreibergesellschaft des Erzabbaus am Erzberg in der Steiermark. Die steirischen Erzvorkommen waren von zentraler Bedeutung für die deutsche Kriegsrüstung. Nach der Übernahme durch die Göring-Werke kam es daher zu einer zusätzlichen Forcierung des Erzabbaus, die in den letzten beiden Kriegsjahren ihren Höhepunkt erreichte.
Der zunehmende Arbeitskräftemangel nach dem Scheitern des Russlandfeldzugs, legte nahe, so wie in anderen Sparten der Rüstungsindustrie auch in Eisenerz auf ausländische Zwangsarbeiter zurückzugreifen. Bis zu 16.000 ausländischer Arbeiter und Arbeiterinnen – der Großteil aus Polen und der Sowjetunion – waren in den fünf im Ort Eisenerz errichteten Zwangsarbeiterlagern untergebracht. Die Gesamtzahl der Arbeitskräfte in der ÖAMG in Eisenerz stieg von ca. 1600 im Jahr 1936 auf mehr als 9.300 im Jahr 1944.
Konkrete Pläne zum Einsatz von Häftlingen des KZ Mauthausen im Erzabbau am Erzberg wurden spätestens im April 1943 gefasst. Aus einem Schreiben der Hermann-Göring-Werke Linz (AMM B/6/2) geht hervor, dass der Kommandant Franz Ziereis bereits mit dem möglichen Einsatz von KZ-Häftlingen befasst worden war. Die endgültige Entscheidung darüber dürfte letztlich im direkten Einvernehmen zwischen Heinrich Himmler und Paul Pleiger, den Leiter der Göring-Werke, gefallen sein.
Als Gründungsdatum des Außenlagers Eisenerz wird in der Literatur (z.B. Maršálek 1995, ITS 1979) der 15. Juni 1943 genannt. Die erste erhaltene Transportliste stammt vom 12. Juli 1943 und nennt 10 von Mauthausen nach Eisenerz überstellte Häftlinge (AMM B/6/2). Anfang September erreicht das Lager bereits eine Belegstärke von knapp 400 Häftlingen, eine Zahl, die sich bis Februar 1944 auf 300 reduziert. Durch einen größeren Transport von 172 Häftlingen aus Mauthausen am 10. Juni 1944 erreicht das Außenlager Eisenerz einen Höchststand von 469 Häftlingen.
Das Häftlingslager dürfte sich im sogenannten „Gsollgraben“ in Eisenerz befunden haben. Über das Lagerleben, die Behandlung durch die Wachmannschaften sowie die Namen der SS-Männer im Außenlager Eisenerz ist so gut wie nichts bekannt. Zeugenaussagen liegen keine vor und ein großer Teil der Dokumente ist nach dem Krieg verloren gegangen. Die Angaben im Rapportbuch weisen auf eine relativ geringe Todesrate in Eisenerz im Vergleich zu anderen Außenlagern hin, es wurden jedoch mehrmals größere Gruppen von Häftlingen nach Mauthausen rücküberstellt, über deren weiteres Schicksal nichts bekannt ist.
Seit 1944 kam es immer wieder auch zu Fliegerangriffen gegen den Erzberg, ob dabei auch das Häftlingslager zu Schaden kam, ist nicht dokumentiert.
Am 2. März 1945 befanden sich noch 230 Häftlinge im Außenkommando Eisenerz, 220 davon wurden am selben Tag in das Außenlager Peggau überstellt, 9 Häftlinge folgten am 14. März 1945, womit das Lager Eisenerz zugleich endgültig aufgelöst wurde. Ein einzelner Häftling verblieb im Kommando und dürfte später von Eisenerz direkt nach Mauthausen überstellt worden sein.
Die 220 nach Peggau überstellten Häftlinge wurden von dort aus am 2. April 1945 in Fußmärschen nach Bruck an der Mur getrieben und anschließend in offenen Güterwaggons nach Mauthausen transportiert.. Vor dem Abmarsch der Häftlingskolonnen in Richtung Bruck wurden noch mindestens 15 marschunfähige Häftlinge in den Stollen ermordet. Mehr als 21 Häftlinge kamen auf diesem Evakuierungstransport ums Leben. Laut AMM B/60/11 trafen am 7. April 1945 820 Häftlinge aus Peggau in Mauthausen ein.
|
|
Zurück
|