Wiener Neustadt (1)
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Zur Geschichte des Außenlagers Wiener Neustadt (1)

Die 1938 von der deutschen Firma Henschel & Sohn übernommene „Wiener Neustädter Lokomotivfabrik“ erzeugte bis zum Jahr 1943 hauptsächlich Tender. 1942 wurde die Fabrik als „Rax-Werke Wiener Neustadt“ als eigenständige Tochtergesellschaft der Henschel GmbH neu gegründet. Aufgrund der geplanten Ausweitung der Produktion auf Rüstungsgüter (anfänglich Flakproduktion) wurde die Erweiterung des Werks notwendig. Das OKH sprach den Rax-Werken daher eine im Jugoslawien-Feldzug beschlagnahmte Fabrikhalle zu, welche in Serbien (Kraljevo) demontiert und in Wiener Neustadt wieder aufgebaut wurde.
Nachdem sich die Pläne zum Einstieg in die Flakproduktion zerschlagen hatten, wurde im April 1943 seitens des kurz zuvor eingerichteten „Sonderausschusses A4“ zur Forcierung der Raketenrüstung im Ministerium für Rüstung und Kriegsproduktion das Rax-Werk als einer von vorerst drei Standorten (neben der Versuchsanstalt Peenemünde und den Zeppelinwerken in Friedrichshafen, später noch der DEMAG in Berlin –Falkensee) für die Serienfertigung der „A4“-Rakete vorgesehen.
Bereits im Frühjahr war die Entscheidung für den Einsatz von KZ-Häftlingen für das „A4“-Programm gefallen. Am Gelände der Rax-Werke wurde daher ein Lager für Häftlinge aus dem KZ Mauthausen eingerichtet, und am 20. Juni 1943 traf ein erster Transport von ca. 500 Häftlingen ein.
Der Arbeitseinsatz bestand zuerst in der Fertigstellung der Montagehallen sowie der Installation der Fertigungsmaschinen, erst später wurde der Häftlingseinsatz auch für die Raketenproduktion selbst beschlossen. Am 8. August 1943 wurden daher weitere 722 Häftlinge nach Wiener Neustadt überstellt.
Die Häftlingsgesellschaft setzte sich zu einem großen Teil aus französischen Häftlingen zusammen, gefolgt von polnischen und sowjetischen Häftlingen.
Am 13. August 1943 erfolgte die erste von mehreren Bombardierungen der Rax-Werke, welche auch das Lager trafen und Opfer unter den Häftlingen forderten. Da auch die übrigen Serienwerke der "A4"-Produktion Ziel solcher Bombardierungen wurden, wurde im August 1943 der generelle Beschluss gefällt, einerseits die Serienfertigung von Raketen von der Entwicklung zu trennen und andererseits ein zentrales unterirdisches Serienfertigungswerk zu errichten („Mittelwerke“ in Nordhausen; Gründung des KZ Dora-Mittelbau).
Ende August wurden die Anlagen zur Brennstoffproduktion und Prüfung der Brennkammern aus den Rax-Werken in die Brauerei-Keller von Redl-Zipf in Oberösterreich verlegt. Damit begann die langsame Auflösung des Außenlagers in Wiener Neustadt. Ein weiteres Bombardement am 2. November beschädigte das Rax-Werk schließlich so schwer, dass auch die Restproduktion nicht mehr fortgeführt werden konnte. Die Produktion wurde eingestellt und sämtliche Betriebsmittel, Bauteile, Maschinen und auch Facharbeiter in die „Mittelwerke“ in Nordhausen überstellt. Die Häftlinge wurden mit mehreren Transporten in die neu gegründeten Außenlager in Redl-Zipf (26. 10., 9. 11.) bzw. Ebensee (17. 11.) verlegt. Der letzte Häftlingstransport verließ Wiener Neustadt am 20. November 1943 über das KZ Buchenwald in dessen Außenlager Mittelbau Dora.


Links
Verein Alltag Verlag - Denkmal Wiener Neustadt

 
 
Redaktion:
Christian Dürr, Ralf Lechner