Melk
 Übersicht          Geschichte 

Zur Geschichte des Außenlagers Melk

Bild: Außenlager Melk
Außenlager Melk
Mit der Zunahme alliierter Bombenangriffe auf die Zentren der Rüstungsproduktion wurde von Seiten des Rüstungsministeriums unter Albert Speer und der Rüstungsindustrie eine "unterirdische Verlagerung" der Produktion beschlossen. Nachdem zuvor eine Dezentralisierung der Produktion und eine "oberirdische Verlagerung" in die bis dahin vom Bombenkrieg verschont gebliebenen Gebiete der "Ostmark" stattgefunden hatte, blieb dies das einzige Mittel die Rüstungsproduktion in annähernd gleichem Umfang aufrechterhalten zu können. Für den Bau der unterirdischen Anlagen und bei der Fertigung der Waffen sollten KZ-Häftlinge eingesetzt werden.
Die Steyr-Daimler-Puch AG, der größte Rüstungskonzern Österreichs mit einem Umsatz von 456 Millionen RM und einer Zahl von 50.000 Beschäftigten im Jahr 1944 (1938 betrug der Umsatz noch 57 Millionen RM und die Zahl der Beschäftigten 7000), war während des Krieges zum drittgrößten Wälzlagerproduzenten des Deutschen Reichs aufgestiegen. Größter Abnehmer der Wälzlager war die Luftwaffenindustrie, daneben wurden Wälzlager u.a. beim Panzer- und Kraftfahrzeugbau benötigt. Die Steyr-Daimler-Puch AG betrieb ein Wälzlagerwerk in Steyr-Münichholz, das aufgrund der Bombenangriffe nun in zu errichtende unterirdische Stollen in Melk verlagert werden sollte.
Im März 1944 wurde mit dem Bau der Stollenanlage unter der Tarnbezeichnung "Projekt Quarz" begonnen. Gleichzeitig wurde in der "Freiherr von Birago"-Kaserne in Melk ein Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen eingerichtet. Am 21. April 1944 trafen hier die ersten 500 Häftlinge aus dem ungefähr 70 Kilometer entfernten Hauptlager ein. Sie wurden in insgesamt 18 Wohneinheiten, sogenannten Blöcken, in der Kaserne untergebracht und bei der Arbeit am Stollenausbau eingesetzt. In Arbeitskommandos eingeteilt, wurden sie in den Stollen von SS-Kommandoführern bewacht und von Zivilarbeitern und Kapos kontrolliert.
Die Entfernung zwischen den Häftlingsunterkünften in Melk und der Stollenbaustelle in Roggendorf betrug ungefähr viereinhalb Kilometer. Jeden Tag nach dem Morgenappell wurden die Häftlinge in Waggons getrieben und mit dem Zug zur Baustelle gebracht. Die Arbeitszeit betrug acht Stunden, gearbeitet wurde in drei Schichten.
Im Dezember 1944 wurde die Produktion im neuen Wälzlagerwerk (Tarnname "Erle") in den fertigen Stollen aufgenommen. Bis zum 15. März 1945 wurden 7880 m2 als Produktionsfläche fertiggestellt. Bis zur Einstellung der Arbeiten am Stollenausbau waren zwei Drittel der geplanten Stollenanlage ausgebrochen und ein Drittel bereits mit Beton ausgekleidet.
Für die kranken und körperschwachen Häftlinge gab es im Krankenrevier keine adäquate medizinische Versorgung. Aufgrund der zunehmenden Überbelegung des Reviers in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 kam es dort zu immer katastrophaleren Verhältnissen. In mehreren Fällen wurden Schwerkranke vom Sanitätsdienstgrad Gottlieb Muzikant durch Herzinjektionen ermordet. Lagerarzt in Melk war der Luftwaffenangehörige Dr. Josef Sora, der im Gegensatz zu Muzikant sehr menschliche Beziehungen zu den Gefangenen unterhielt. In Überlebendenberichten ist dokumentiert, dass er in verschiedenen Fällen Häftlinge vor dem Tode bewahrte und auch mit der illegalen Häftlingsorganisation im Lager kooperierte.
Von den insgesamt ungefähr 15.000 Häftlingen, die im Außenlager Melk interniert waren, starben fast 5000 entweder auf Grund der unmenschlichen Arbeitsbedingungen, der mangelnden Sicherheitsvorkehrungen in den Stollen, auf Grund der unzureichenden Verpflegung, auf Grund von Misshandlungen oder sie wurden vorsätzlich ermordet. Zu Jahreswende 1944/45 war die Todesrate in Melk am höchsten. Allein im Jänner 1945 verstarben mehr als 1000 Häftlinge.
Zwischen dem 11. und 15. April 1945 wurden die Melker Häftlinge schließlich in das Außenlager Ebensee, die kranken unter ihnen nach Mauthausen evakuiert.