Gusen II
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Zur Geschichte des Außenlagers Gusen II

Die Errichtung des Außenlagers Gusen II in St. Georgen an der Gusen steht in direktem Zusammenhang mit der Gründung des sogenannten „Sonderstabs Kammler“. Unter der Leitung des Generals der Waffen-SS Hans Kammler wurde diese Stelle im August 1943 in der Amtsgruppe C des WVHA mit dem Ziel der Entwicklung unterirdischer Produktionsprogramme für die sogenannten „Wunderwaffen“ eingerichtet.
Am 1. Jänner 1944 wurden die ersten 272 Häftlinge aus dem Hauptlager Mauthausen nach Gusen „Bergkristall-Bau“ überstellt. Unter diesem Tarnnamen erfolgte der Ausbau der Lagerkeller der St. Georgener Brauerei zu einer weit verzweigten Stollenanlage, welche zuerst der Unterbringung der Rüstungsproduktion der Steyr-Daimler-Puch AG (Tarnname „Georgenmühle“), in weiterer Folge auch der Flugzeugproduktion der Messerschmitt GmbH dienen sollte.
Zu Jahresbeginn 1944 wurde mit der Errichtung eines provisorischen Barackenlagers in St. Georgen begonnen, welches seit 9. März 1944 offiziell als Außenlager Gusen II geführt wird. Ebenfalls im März wurden an drei verschiedenen Stellen eines mittlerweile eingerichteten Sperrgebiets Grabungsarbeiten für die Stollenanlagen eingeleitet. Im Sommer 1944 waren bereits 5 Stollen fertiggestellt, im Juni fand schließlich die erste Produktionsverlagerung der SDP aus der Halle VII in Gusen I in die Stollen von St. Georgen statt. Im Oktober 1944 begann der Betrieb des Montagewerks der Firma Messerschmitt unter dem Tarnnamen „Esche II“, wo Anfang 1945 schließlich die serienmäßige Produktion von „Me 262“-Flugzeugrümpfen anlief.
Das Lager Gusen II lag mehrere Kilometer von den Stollenanlagen in St. Georgen entfernt. Die Häftlinge mussten daher täglich entlang der inzwischen errichteten Schleppbahngeleise zum Arbeitseinsatz in den Stollen und wieder zurück marschieren. Die Bewachung wurde zum Teil von Mannschaften der Luftwaffe übernommen.
Die außerordentlich harte Arbeit in den Stollenbau-Kommandos, in welchen die Häftlinge in 3 Schichten zu je 8 Stunden arbeiten mussten, führte zu einer besonders hohen Sterblichkeitsrate. Die durchschnittliche Überlebensdauer eines Häftlings in Gusen II betrug zwischen 4 und 6 Monaten. Seit dem Beginn der Bautätigkeit für das Flugzeugwerk im Oktober 1944 lag die durchschnittliche Todesrate bei ca. 40 Häftlingen pro Tag. Insgesamt sind vermutlich an die 90% aller in des Außenlager Gusen II deportierten Häftlinge während ihrer Haft verstorben. Die Toten wurden im Krematorium des Lagers Gusen I verbrannt.
Trotz des rücksichtslosen Häftlingseinsatzes konnte die Anlage jedoch nicht mehr vollständig fertiggestellt werden.
Für die kräfteraubenden Arbeiten im Stollenbau wurden besonders jüdische Häftlinge herangezogen, die aus anderen Konzentrationslagern (Auschwitz, Plaszow, Flossenbürg) nach Gusen überstellt wurden.
So wie alle Gusener Lager wurde auch Gusen II am 5. Mai 1945 von US-Truppen befreit.


Weiterführende Literatur
Vernichtungslager Gusen (= Mauthausen-Studien 5)
St. Georgen - Gusen - Mauthausen. Concentration Camp Mauthausen Reconsidered

Links
KZ Gusen Memorial Committee: Gusen Info-Page
KZ-Gedenkstätte Gusen (Mauthausen Memorial)

 
 
Redaktion:
Christian Dürr, Ralf Lechner