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Die Gaskammer in Mauthausen befand sich im Keller des Lagergefängnisses in der Nähe der Verbrennungsöfen und des Hinrichtungsraumes. Die Bauarbeiten für die Gaskammer begannen im Herbst 1941 und ab März 1942 erfolgten die ersten Vergasungen von Häftlingen.
Nach Feststellung des Landgerichts Hagen wurden zwischen März 1942 und der Befreiung des Lagers in der Mauthausener Gaskammer mindestens 3455 Menschen mit Zyklon B vergast.
Noch am 28. April 1945 wurden 33 österreichische, fünf polnische, vier kroatische Häftlinge und ein österreichischer Häftling mit englischer Staatsbürgerschaft in der Gaskammer erstickt. Einen Tag später, am 29. April, wurden von der SS die technischen Einrichtungen der Gaskammer demontiert.
Die zum Teil gekachelte und als Duschbad getarnte Gaskammer (3,87 mal 3,57 Meter) hatte zwei hermetisch abzuschließende Türen, die mit einem Guckloch versehen waren. An der Decke gab es eine benutzbare Brauseanlage mit 16 Rosetten. Zudem befanden sich in dem Raum ein Heizkörper, eine Beleuchtung, eine elektrische Ventilation (in der Decke) und ein etwa 1 Meter langes Rohr, das - für die Opfer nicht sichtbar - auf der Wandseite eine einen halben Zentimeter breite und 80 Zentimeter lange Schlitzöffnung hatte. Das Rohr war mit dem Gaseinfüllungsgerät verbunden, das sich in der sogenannten Gaszelle befand, einem Raum unmittelbar neben der Gaskammer.
Das mit einem Deckel versehene Gaseinfüllungsgerät aus Stahlblech befand sich in der Gaszelle an der Wand zur Gaskammer. Vor der Vergasungsaktion wurde in einem der Krematoriumsöfen ein Ziegelstein erhitzt. Dann wurde von der Apotheke in Dosen verpacktes Zyklon B angefordert, das daraufhin entweder der Apotheker Erich Wasicky oder der Kapo des Apothekerkommandos dem Leiter des Vergasungsvorganges in die Gaszelle brachte.
Der heiße Ziegelstein wurde auf den Boden des Gaseinfüllungsgerätes gelegt und der mit einer Gasmaske versehene SS-Mann schüttete nun das Zyklon B auf den Ziegelstein. Dann wurde der Behälter mit dem abgedichteten Deckel versehen und mittels zweier Flügelschrauben luftdicht verschlossen. Die aufsteigende Wärme des erhitzten Ziegelsteines bewirkte die schnelle Entbindung des Giftes.
Zyklon B wurde u.a. von der Firma Degesch ("Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung", Frankfurt), der Firma Heerdt-Lingler (Frankfurt) und von der "Aktiengesellschaft für Verarbeitung von Kalilaugen" (Kolin) nach Mauthausen geliefert.
Die Vergasungsaktionen wurden vor allem vom Kommandoführer des Krematoriums, SS-Hauptscharführer Martin Roth, geleitet. Aber auch Dr. Eduard Krebsbach und der Apotheker Erich Wasicky sollen das Gaseinfüllungsgerät bedient haben.
Vor jeder Vergasungsaktion wurden die Häftlinge von SS-Angehörigen auf Goldzähne untersucht. Für diesen Fall wurde auf der Brust oder dem Rücken des betreffenden Häftlings mit einem Farbstift ein Kreuz gemacht.
Nachdem die Opfer in das "Duschbad" geführt worden waren und die Tür verschlossen war, wurde das Gaseinfüllungsgerät bedient. Nach etwa 15 bis 20 Minuten überzeugte sich der Leiter der Aktion, zumeist SS-Hauptscharführer Martin Roth, mit einem Blick durch das Guckloch, ob auch alle Häftlinge tot waren. Dann wurde der Ventilator eingeschaltet, der das Gas durch einen Kamin aus der Gaskammer nach draußen absaugte.
Den zu vergasenden Opfern ist entweder vorgespielt worden, dass sie gebadet würden, oder aber dass sie entlaust würden. Inwieweit die zu vergasenden Opfer von ihrem bevorstehenden Schicksal gewusst haben, weiß ich im Einzelfall natürlich nicht. Ich meine aber, dass sie, soweit es sich um Insassen des Lagers handelte, doch geahnt haben, was mit ihnen geschehen würde, wenngleich sie auch sicher gehofft haben werden, davonzukommen. Aber dieses sind letztlich von mir nur Vermutungen. War das Gas ausgeströmt und die Opfer getötet, dann schaltete einige Zeit danach Roth einen Ventilator an, der das Gas aus der Gaskammer absaugte. Dieser Vorgang nahm längere Zeit in Anspruch und ich meine heute, dass dieses etwa ein bis zwei Stunden gedauert haben könnte. Dann wurde die Tür von der Gaskammer zur Genickschusshalle hin entweder von Roth selbst oder von einem von uns Häftlingen auf Roths Befehl geöffnet und die Leichen mussten in den Leichenkühlraum hinüber geschafft werden. Anschließend musste die Vergasungsanlage auf Roths Befehl gesäubert und desinfiziert werden. Waren die Leichen etwas längere Zeit in der Gaskammer, war das Leerräumen derselben außerordentlich schwierig, weil die Leichen aufgedunsen und teilweise völlig ineinander verkrampft waren. Aus diesem Grund hat Roth auch teilweise alte Häftlinge mit herangezogen, die Gaskammer zu räumen. Die Vergasungsanlage als solche war, wenn nicht eine Vergasung anstand oder durchgeführt wurde, stets verschlossen. Wilhelm Ornstein, ehemaliger Häftling des Krematoriumskommandos in Mauthausen (AMM V/3/30)
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